Interview-Reihe Teil 8: Fünf Fragen an … Laura Graser

Fünf Fragen an … Laura Graser, Programmverantwortliche des TRAFFO / CarréRotondes

Photo Laura GraserBildrechte: Daniel Clarens

1) Wie ist der Kontakt mit dem Festival LUXEMBURG IST THEATER zustande gekommen?

Wir stehen regelmäßig in Kontakt mit der Kulturbeauftragten der Luxemburger Botschaft in Berlin und sind auch aktives Mitglied der Luxemburger Theaterfederatioun. Als klar wurde dass sich dieses Jahr das Konzept „Luxemburg ist…“ auf Theater konzentrieren würde, haben wir uns natürlich gefreut und zusammen mit den betreffenden Künstlern unsere Koproduktion „Wilhelm B.“ als Gastspiel vorgeschlagen.

2) Wie würden Sie das Profil von TRAFFO bzw. CarréRotondes beschreiben?

Das CarréRotondes ist eine „junge“ und urbane Kulturinstitution in Luxemburg-Stadt, die im Rahmen der Kulturhauptstadt 2007 entstanden ist. „Jung“ da es uns erst seit einigen Jahren gibt, aber auch „jung“ da wir insbesondere ein junges oder jung gebliebenes Publikum ansprechen möchten. TRAFFO bezeichnet die Bühnenkunstabteilung des Hauses. Das Programm richtet sich sowohl an die Allerkleinsten als auch an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Tanz- und Theaterprojekte sowie mehrere Workshop-Reihen ergänzen das Programm der Gastspiele und Koproduktionen.

3) Dem Festival war es wichtig, auch das junge Publikum anzusprechen, und hat mit „Wilhelm B.“ ein Stück für Kinder ab 7 Jahren eingeladen. Wie sieht das Angebot an Kinder- und Jugendtheater in Luxemburg aus?

Das kulturelle Angebot für ein junges Publikum wurde in Luxemburg in den vergangenen Jahren stark ausgebaut und ist vielfältiger geworden. Dies liegt vor allem daran, dass sich die gesamte Kulturszene in Luxemburg in den letzten 10 Jahren sehr entwickelt hat und einige neue Kulturzentren entstanden sind. Neben den regionalen Häusern die regelmäßig Produktionen für junges Publikum anbieten, hat auch die Philharmonie Luxemburg ein sehr breites musikalisches Angebot für ihr Familienpublikum aufgebaut. In Rahmen der Kulturhauptstadt 2007 dann ist auch Luxemburgs erste spezifische Spielstätte für ein junges Publikum entstanden.

 4) Vor welche besonderen Herausforderungen stellt Sie die Mehrsprachigkeit des „Wilhelm B.“ als Gastspiel?

In Luxemburg ist Mehrsprachigkeit eine Selbstverständlichkeit und die Menschen sind es gewohnt neben ihrer luxemburgischen Muttersprache tagtäglich Deutsch oder Französisch zu sprechen. Auch die Kinder lernen diese drei Sprachen bereits in der Grundschule. Darüber hinaus leben in Luxemburg-Stadt über 60Prozent nicht-luxemburgische Einwohner, was die Gesellschaft sehr multikulturell prägt. Diese Situation ermöglicht es auch in der künstlerischen Produktion mit der Sprachenvielfalt zu spielen. Durch ein cleveres Einsetzen von Sprache und Gestik richten sich die Künstler damit sowohl an ein deutschsprachiges als auch an ein französischsprachiges Publikum. Das Stück und sein Humor sollten für alle verständlich sein. Wir würden uns daher freuen, wenn „Wilhelm B.“ in Zukunft sowohl in französischsprachigen Regionen als auch im deutschsprachigen Raum spielen könnte.

 5)  Welche Erwartungen haben Sie an die Festivalwoche?

Für die Luxemburger Kulturszene ist es eine besondere Erfahrung sich in Berlin präsentieren zu dürfen und die Künstler freuen sich auf die Gastspiele. Ich erhoffe mir eine starke Visibilität und einen regen Austausch mit dem Publikum und den Veranstaltern. Schön wäre es wenn dadurch auch neue Projekte entstehen könnten und sich für die eine oder andere Produktion weitere Gastspiele in Deutschland ergeben würden.

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Interview-Reihe Teil 2: Fünf Fragen an … Nils Foerster

Fünf Fragen an Nils Foerster, künstlerischer Leiter der Brotfabrik Berlin

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1) Können Sie uns etwas über Ihre Anfänge im Theater verraten?

Theaterlaufen haben ich in meiner Heimatstadt Braunschweig am Kinder- und Jugendtheater des Staatstheaters, damals noch mit dem wunderbaren Namen „theaterspielplatz“, gelernt. Es war die beste Schule die ich haben konnte: ein Theater wie ein Familienbetrieb, hier war jeder für alles verantwortlich und ich habe dort – schon als Schüler – in fast allen Bereichen des Theaters gearbeitet. Von da an folgten zahlreiche Stationen: kleine und große Häuser, Theaterfestivals und viele eigene Projekte.

2) Wie kam die Partnerschaft mit dem Festival LUXEMBURG IST THEATER zustande?

Ich bin schon seit vielen Jahren ein großer Fan von diesem Festival. Bei „Luxemburg ist Tanz“ kamen wir dann intensiver ins Gespräch und die Idee war geboren, dass eine Produktion im Rahmen des Festivals auch einmal in der Brotfabrik gastieren würde. Als ich dann von den eingeladenen Produktionen hörte, war ich gleich begeistert von „Wilhelm B.“ und wusste, dass diese Produktion wie für die Brotfabrik geschaffen ist!


3) Wie würden Sie das Profil Ihres Hauses beschreiben?

In Berlin sind wir eine der kleinsten Bühnen, zeigen aber mit knapp 300 Aufführungen im Jahr ein riesiges Programm, bei dem manches Mal selbst Kollegen von großen Theatern überrascht sind. Wir haben kein eigenes Ensemble, keine festen Theatermacher, sondern sind ein Ort für freie Theatermacher aus Berlin und weit darüber hinaus. Dabei versuche ich verschiedenste Formen der Darstellenden Künste auf unsere Bühne zu bringen: Schauspiel, Tanz, Performance, Figurentheater, selbst Musiktheater gastieren bei uns – um die 80 verschiedene Produktionen sind in einem Jahr auf unserer Bühne zu erleben. Viele Projekte begleiten wir jedoch schon von Anfang an, es gibt auch eine Reihe von Theatermachern, deren Arbeit wir über mehrere Jahre begleiten und uns auf diese Weise gegenseitig prägen. Immer wieder entstehen bei uns auch Projekte, durch die wir die Theatermacher der freien Szene vernetzen und so ganz neue Projekte und Projektideen bei uns geboren werden. Neben einem vielseitig, gegenwärtigen Abendspielplan habe ich auch das Kindertheater als zweiten Bereich in die Brotfabrik gebracht. Und auch hier begegnet man regelmäßig einzigartigen Theaterperlen die ebenfalls die Vielfalt des Theaters präsentieren!

4) Ihr Haus wird im Rahmen des Festivals LUXEMBURG IST THEATER die Produktion “Wilhelm B.” zeigen. Vor welche besonderen Herausforderungen stellt sie das Gastspiel?

Da wir bei uns nur Gastspiele begrüßen bzw. Kooperationen begleiten, sind wir es gewohnt, Produktionen ein möglich gutes Umfeld zu liefern und ihnen – trotz unserer Größe und den eingeschränkten Mitteln eines freien, ungeförderten Theaters – möglichst alles zu ermöglichen. Oft improvisieren wir dabei, aber umso schöner sind die Ergebnisse. Daher sehen wir weniger „Herausforderungen“, als dass wir große Vorfreude haben! Obwohl es doch eine Herausforderung gibt: Kindertheater hat oft noch immer einen schwierigen Stand beim Publikum – auch beim Fachpublikum. Wer kommt schon auf die Idee und geht – ohne selbst Kinder zu haben – ins Kindertheater? Die meisten denken sich, dass das ja „nur für Kinder“ sei, dabei ist gutes Kindertheater die größte Kunst des Theatermachens – gutes Kindertheater ist schwieriger zu inszenieren, als viele Abendspielplanproduktion. Dabei ist es für alle Zuschauer eine großartige Bereicherung und dabei für jede Altersstufe ein anderes Erlebnis! Daher bin ich gespannt, wie viele Zuschauer ohne Kinder sich zu uns „trauen“ – lohnen wird es sich ganz bestimmt, dieser anarchische Theaterspaß der Compagnie du Grand Boube, die aus Sicht von Kindern und aus Sicht von Erwachsenen ganz unterschiedlich wirkt!

5) Welche anderen Stücke des Festivals planen Sie sich anzuschauen?

Ich hoffe, dass ich neben dem Gastspiel bei uns möglichst viel Zeit finde, das Festival miterleben zu können. Alle Produktionen klingen spannend und ich hoffe, keine zu verpassen! Am letzten Tag geht es auf jeden Fall ins BE, nicht nur, um „Die Demonstration“ zu sehen, sondern auch um bei der anschließenden Feier mit dem luxemburgischen Wein anzustoßen und zu tanzen!

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“Wilhelm B.” am 25. Oktober in der Brotfabrik Berlin

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Die BROTFABRIK im Prenzlauer Berg zeigt am 25. Oktober das Stück  WILHELM B der Schauspielgruppe Grand Boube. Ein Musiktheater für Kinder ab 8 Jahren, inszeniert von Carole Lorang und Mani Muller. Wilhelm Buschs freche Lausbuben und andere, frei nach dessen Phantasie erfundene Gestalten, spielen die Hauptrolle in dem neuen Stück der luxemburgischen Gruppe „Le Grand Boube“. Auf der Bühne entlädt sich in witzigen, schrägen und makabren Episoden die Spannung zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt. Wilhelm Busch, der als Vorläufer der künstlerischen Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden kann (Dadaismus, absurdes Theater, Comic), bildet die Grundlage des Projektes “Wilhelm B.” Inspiriert durch die biedermeierlich-archetypische Figurenwelt Buschs schlüpfen die drei Darsteller in die verschiedensten Rollen und lassen so eine lose Szenenfolge von komisch-makaberen Miniaturen entstehen, in denen Motive spannungsgeladener Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern sowie Mensch und Tier wiederkehren. Der lautpoetische Sprachkosmos des österreichischen Lyrikers Ernst Jandl bildet einen weiteren Höhepunkt dieses Theaterprojektes. Sowohl das Textmaterial als auch die geräusch- und klangfarbenreiche Musik stammen aus den Gedichten und Texten des Autors. Dank klangvoller Stimmen sowie kleiner Instrumentarien (Flöten, Mundharmonika, Vogelpfeifen usw.) werden die kurzen, rasch aufeinander folgenden Szenen klanglich angereichert und unterstützt werden. Produktion: TRAFFO Luxemburg.

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Musiktheater 

Alter: 8-99

Dauer: +/- 50’

Sprachenmix (DE + FR); verständlich für ein deutschsprachiges Publikum 

Regie: Carole Lorang
Dramaturgie und Bühnenfassung: Mani Muller
Komposition und Klavier: Franz Klee
Bühnenbild und Kostüme: Peggy Wurth
Spiel: Pitt Simon, Franz Klee, Jeanne Werner
Licht: Nico Tremblay
Produktion: Compagnie du Grand Boube
Coproduktion: TRAFFO_CarréRotondes, Kulturhaus Niederanven

Mit der Unterstützung des Ministère de la Culture
Gastspielorganisation: TRAFFO_CarréRotondes

 

Karten gibt es unter der Rufnummer 030 4714001-2.

 

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CARRÉ ROTONDES

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